Tunesien Ostern 2026 – die Erprobungstour mit 4wheel24

Abenteuer Sahara: Mit ANDAR auf Erprobungstour  

Von ersten Panikmomenten bis zu Sandstürmen – unser Weg durch die Wüste (Kirsten, 23.6.26)

1. WARUM DIE TOUR?

Eigentlich wollten wir uns ab Weihnachten 2025 vorbereiten, um im Januar/Februar 2026 mit ANDAR auf Erprobungstour zu gehen. Ziel war es, uns und den LKW zu testen und Erfahrungen zu sammeln. Abgesehen von den Fahrstunden zur LKW-Prüfung hatten wir ja keinerlei Fahrpraxis und wollten ANDAR vor unserer großen Reise richtig kennenlernen. Ein aufklärendes Gespräch mit dem Team der Offroad Leichtbau Manufaktur holte uns jedoch schnell wieder in die Realität zurück. Mitte März wurde uns als realistischer Fertigstellungstermin genannt – wenn alles klappt. Ja, wenn…

Wie wir später erfuhren, ist es bei individuellen handwerklichen Fertigungsprojekten eher die Regel als die Ausnahme, dass der Fertigungstermin nicht eingehalten wird. Das liegt natürlich daran, dass Qualität und Liebe zum Detail Zeit brauchen.

Trotz der anfänglichen Enttäuschung über die Verzögerung ließen wir uns die Freude und Aufregung über den baldigen Start nicht nehmen.

Also hieß es: Kopf hoch, Krone richten und weiter geht’s!  Doch, wie bekommen wir die nötige Fahrpraxis komprimiert und können ANDAR trotzdem noch vor der großen Tour entlang des Panamerican Highway testen?

Wieder einmal war YOUTUBE eine Quelle der Inspiration, wie so oft in den letzten 4 1/2 Jahren. 4wheel24 bot eine 2-wöchige Tour in die Sahara nach Tunesien an! Dort sollten wir unter Anleitung von einfachem Gelände zu anspruchsvolleren Strecken übergehen. Kurz gesagt, das war eine der besten Ideen, die wir je hatten. Sowohl für Mensch und Material als auch für die Endfertigung von ANDAR, die durch die gewonnene Zeit noch einmal eine Stufe erklommen hat. Gott sei Dank. Man weiß ja nie, wofür schiefgehende Dinge später gut sein können. Klugscheißermodus aus.

2. VORBEREITUNG

Also, wir: Wir packten Kleidung für drei Wochen Urlaub in der Wüste ein, plus etwas mehr Sonnencreme, Sonnenhut und hohe Schuhe wegen der Schlangen und Skorpione.

Und ANDAR: ANDAR würde nicht fertiggestellt sein, aber zumindest so weit, dass wir damit nach Tunesien fahren konnten. Der LKW würde nach der Tour weitergebaut werden. Wir ließen ihn schnell noch TÜV abnehmen und anmelden. Wer hätte gedacht, dass deutsche Versicherungen sich so schwer mit dem Versichern von Expeditionsmobilen tun? Die Versicherungskarte erhielten wir dann erst einen Tag vor der Anmeldung, die Anmeldung selbst zwei Tage vor Abfahrt in Richtung Genua. Puh, das musste ja nur passen.  

Wir packten schnell noch Bettzeug, Küchenutensilien, Kulturbeutel, Handtücher und die gesammelten Gebrauchsanweisungen aller verbauten technischen Geräte an Bord von ANDAR. Die wollten wir unterwegs lesen… von wegen.

Wir haben etwas Diesel in einen Tank gefüllt (dazu später mehr), da die Dieselpreise bei günstigen 2,25 Euro lagen. Frischwasser haben wir jedoch nicht gebunkert, da uns die Zeit fehlte. Wir waren noch Anfänger.

Hatten wir alles? Ich glaube schon, aber jetzt ging es los!  Wie sollten wir es nur schaffen, bei diesem Verkehr, vom Hof runterzukommen, ohne größere Schäden zu verursachen? Gar nicht so einfach bei der Größe von ANDAR und der Enge der Einfahrt. Unter den Augen der uns verabschiedenden Nachbarn haben wir es dann zum Glück ohne peinliche Zwischenfälle vom Hof geschafft.

3. LOS GEHT‘S

Oh, welch ein Gefühl! Doch schon beim Verlassen der Auffahrt kam die erste Panikattacke. Verdammt, ist das Auto riesig! Das passt niemals, wir werden Schrammen abbekommen. Und warum sind die Straßen eigentlich so schmal? Und der Gegenverkehr – Busse, andere LKWs oder noch schlimmer, landwirtschaftliche Fahrzeuge – mein Herz! Zum Glück fährt Manni. Der arme Kerl, jetzt muss ich „nur“ die Klappe halten (was mir zugegeben gerade sehr schwerfällt) und meine Emotionen im Griff behalten.

Nur zu schnell heißt es: „Manni, pass auf! Der rechte Fahrbahnrand! das Verkehrsschild! die Äste! die Ampel! der Außenspiegel! das passt nicht! sei vorsichtig! ACHTUNG!“ Aber, ihr kennt das bestimmt auch, oder?

Tausendmal Entschuldigung dafür, ich liebe dich!

Endlich auf der Autobahn, wie schön, die ist breiter und die Aussicht von hier oben aus dem Fahrerhaus ist auch viel schöner und weiter als aus dem Auto. Was für ein tolles Gefühl, genau so wollten wir es haben. Die Landschaft, das Wetter und der Wagen fährt super… ähhh, oder doch nicht?

Warum funktioniert der Retarder nicht? Jetzt ist auch noch der Gang raus und will nicht wieder rein. Klasse, und das bei 12% Gefälle in den Kasseler Bergen. Offf, nächste Ausfahrt nehmen wir. Das war knapp. Motor aus, wieder an, alles okay, also weiter… bis zum nächsten Gefälle, verdammt.

MAN Kassel 17:30 Uhr. Leider haben die hier gerade niemanden, der es kurz auslesen könnte. Aber vielleicht in Würzburg morgen früh gleich? Ein Anruf später sind wir auf dem Weg.

Wir fanden einen netten Stellplatz in der Stadt, aber die Schrankenanlage konnte nicht mit unserem Fahrzeug umgehen. Glücklicherweise ist ANDAR robust genug, um gerade so durch die Einfahrt zu passen. Am nächsten Morgen kümmerte sich MAN Würzburg sofort um unser Problem und fand eine Lösung. Es stellte sich heraus, dass die Artikelnummer der Hinterachse falsch in das Steuergerät des LKW eingegeben worden war, was zu einer Diskrepanz in den Drehzahlen der Achsen im Steuergerät führte. Infolgedessen konnte sich das Getriebe nicht entscheiden und legte lieber keinen Gang ein, um Schäden zu vermeiden.

Um das Problem zu beheben, wurde die richtige Nummer in das Steuergerät eingelesen und ein Reset durchgeführt. Anschließend wurde das Getriebe mit einer Anlernfahrt neu kalibriert. Dadurch wurde das Problem behoben und auch das auffällige Ruckeln des Fahrzeugs war damit behoben. Das war zumindest eine vorübergehende Lösung. Herzlichen Dank an MAN Würzburg an dieser Stelle. Nach Tunesien muss ANDAR jedoch in die Werkstatt, um das System komplett herunterzufahren und neu zu starten, dies  kann bis zu zwei Tage dauern. Jetzt aber konnten wir erstmal weiter in Richtung Genua.

Wir wollten uns am vereinbarten Treffpunkt, 50 Kilometer vor Genua mit den anderen Teilnehmern treffen. Voller Spannung kamen wir dort an und fanden bereits ein Expeditionsmobil vor. Es waren Regina und Peter, die bereits seit zwei Jahren unterwegs sind. Sie nehmen dieses Jahr jedoch nicht an der Tour teil, sondern treffen sich mit Thomas und einigen Mechanikern, um ihre Stoßdämpfer zu wechseln. Wir fanden das etwas ungewöhnlich, da man das normalerweise doch eher in einer Werkstatt macht.

Am Abend aßen wir zusammen in einer Pizzeria und lauschten den Erzählungen und wertvollen Hinweisen der beiden erfahrenen Reisenden. Wir konnten wieder viel lernen.

Am nächsten Tag trafen nach und nach immer mehr Teilnehmer ein, von denen wir die meisten bereits im verpflichtenden Workshop in Hasloch kennengelernt hatten. Gegen Abend kamen auch Anja, Thomas, Johann und Felix vom 4wheel24 Team an, die noch mal eben schnell die Stoßdämpfer von Reginas und Peters LKW tauschen wollten. Nachdem das schnell erledigt war, machten wir uns alle auf den Weg in die Pizzeria.

Dort besprachen wir bei einem leckeren Abendessen noch kurz den Ablauf des nächsten Tages, von der Anfahrt nach Genua zur Fähre über den Grenzübertritt bis hin zum Einchecken der Kabinen. Nachdem wir ANDAR sicher auf der Fähre abgestellt hatten und unsere Kabine bezogen hatten, trafen wir uns alle an Deck auf einen Drink.

4. DIE VERANSTALTUNG SELBST

11 Kundenfahrzeuge, darunter ein Sprinter, zwei Iveco Daily, ein LKW knapp unter 7,5 Tonnen und sieben Schwergewichte bis 16 Tonnen, machten sich auf den Weg in die Wüste. 

Die meisten Teilnehmer hatten nur wenig ernstzunehmende Offroad-Erfahrung. Nur einer hatte Rallye-Erfahrung mit PKWs, und ein Team hatte die Tour bereits einmal gemacht.  Die Veranstalter, das Team 4wheel24, verfügten jedoch über die Erfahrung und die Gelassenheit, sich auf dieses Abenteuer zum wiederholten Male einzulassen. Was für ein Glück für uns!

Neben einer rund um die Uhr verfügbaren Betreuung bei allen LKW-Fragen, zwei Mahlzeiten täglich, Mechaniker-Hilfe bei Bedarf, guter Laune, Abschlepphilfe und lockeren Sprüchen, Sprechfunkgeräten und entsprechenden Ansagen für die verschiedenen Geländetypen, bietet 4Wheel24 noch viel mehr.

Wer mehr erfahren möchte, findet auf dem YouTube-Kanal von 4Wheel24 mehrere Videos von der Tunesien-Tour aus dem Jahr 2025 (Hier).  Diese Videos geben einen guten Einblick in die Abläufe und Herausforderungen der Reise. Es hat uns unglaublich viel Spaß gemacht, und wir möchten uns noch einmal ganz herzlich beim gesamten TEAM von 4wheel24 bedanken.

Kurz gesagt, wir haben sehr viel gelernt. Als Fahrer(in) haben wir das Handling mit ANDAR verbessert und vor allem viel über uns selbst als Beifahrer(in) gelernt. Das war eine ganz besondere Erfahrung. Wir haben jetzt ein deutlich besseres Vertrauen und das Wissen, uns gegenseitig beim Umgang mit dem großen Auto zu unterstützen. ANDAR ist ja nicht nur ein Fahrzeug für Spaß, sondern auch unser Zuhause. Und wir haben nur dieses eine Zuhause. Das Wort „Falllinie“ verfolgt mich sogar im Schlaf.

Okay, ich gebe es zu: Ich war es, die die erste Schramme ins Auto gefahren hat und ich bin (bisher) die Einzige, die sich mit ANDAR festgefahren hat.

Der Motivations-Song von 4Wheel24 (Am Ende von diesem Video) fasst die Veranstaltung in Tunesien perfekt zusammen. Die Melodie und der Text gehen mir immer wieder durch den Kopf und bringen mich zum Schmunzeln.

Aber, wie war es denn nun in der Wüste? Die Wüste ist still und kalt am frühen Morgen, doch die Sonne verspricht Wärme. In diesem Jahr ist es zu Ostern ungewöhnlich kalt in der Sahara, eine unerwartete Erfahrung. Zum Glück haben wir entsprechende Kleidung dabei. Die Zwiebeltechnik ermöglicht es uns, uns je nach Sonnenstand anzupassen. 

Gegen den Sand hilft jedoch nichts, außer lässigem Ertragen oder Ignorieren. Der Saharasand ist so fein, dass er  seine Spuren wirklich überall hinterlässt. Am zweiten Tag erlebten wir einen erwachsenen Sandsturm, der 48 Stunden anhielt. Natürlich nur, um uns mit wertvollen Erfahrungen zu bereichern, wie zum Beispiel: wie schnell man sich ohne GPS verirren kann, wenn die Spuren des Vordermanns binnen weniger Minuten verschwinden, wie wichtig Augen- und Mundschutz sind, wie Sand in jedes Essen und Trinken gelangt, wie der Luftfilter bei Flaute unbedingt gereinigt werden muss, wie man das Auto mit dem Heck in den Wind stellt, um die Windschutzscheibe zu schützen und wie Unterhaltungen im Freien ohne Schutz mit Sand zwischen den Zähnen enden. 

Besonders kreativ muss man werden, wenn man nur eine Outdoor-Küche hat. Die Lösung: Die Zubereitung auf einige Teilnehmer verteilen, die dann die Vorbereitungen im EXMO erledigen, während die anderen einen provisorischen Windschutz bauen.

Trotz der Herausforderungen war das Essen köstlich, und viele genossen es, Zeit draußen zu verbringen und den Abend mit einem Drink ausklingen zu lassen, wenn auch am Ende fein paniert. 

Mit dem aufkommenden Sturm verließen wir erstmals die Teerstraßen und ließen die Schotterpisten hinter uns. Ab nun mussten wir nicht nur Schlaglöcher umfahren, sondern auch auf Farbveränderungen im Sandboden achten, die stets eine beträchtliche Vertiefung ankündigten – eine extreme Belastung für die Federn des LKWs. Man war ständig hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch, schneller zu fahren, um über die Löcher hinwegzugleiten, und der Angst, hineinzufahren.  Zu allem Überfluss schallte es aus dem Funkgerät: „Aufschließen!“ Echt jetzt…?

Langsam aber sicher verwandelten sich die Schotterpisten mit kleinen Sandverwehungen in ausgewachsene Dünen, wie man sie in einer Wüste erwartet. Unter Anleitung fuhren wir dann zwar langsam und kontrolliert, aber mit Schwung darüber. Wer Angst hatte und zu früh vom Gas ging, wurde sogleich bestraft und musste buddeln. Wenn die Vorwärtsbewegung zu früh endete, lag man sprichwörtlich auf dem Bauch und die Räder drehten durch. Das endete oft mit Abschleppen, und davor hieß es buddeln. Je nach Untergrund konnte so etwas zu einer mühsamen Angelegenheit werden, besonders bei Schwergewichten wie ANDAR.

Und dann war da ja noch das Ding mit der Falllinie. Um nicht seitlich zu rutschen oder ganz zu kippen, muss man Schrägfahrten so gut wie möglich verhindern. Das heißt, so gerade wie möglich eine Düne rauf und auch wieder runter. Das ist bei den steilen Dünen und dem langen Auto gar nicht so einfach und erfordert gerade beim runterfahren erstmal etwas Überwindung. Beim Heranfahren an eine Düne sollten die Räder möglichst im 90 Grad Winkel zum Anstieg stehen und beim runterfahren sollten beide Vorderräder erstmal den waagerechten Boden am Fuße der Düne erreicht haben, bevor man einlenkt. Einfach gesagt (und gerne wiederholt): einfach die Falllinie beachten.

ANDAR in der tunesischen Wüste

Nach einiger Zeit entwickelte sich ein gutes Gefühl für die Dünen und ein Fahrrhythmus, der richtig Spaß machte. 

Und immer, wenn es mal so richtig gut lief, kam Tobi Noch mit einer Idee um die Ecke, die meistens mit “Da wir ja auf einem Workshop sind, können wir nochmal hier eben hochfahren…” begann. Okay, wir wollen ja was lernen.

Am Abend bildeten wir dann doch noch wieder eine Wagenburg, und unsere geliebten Küchen-Schmulche verwöhnten uns mit bestem Essen und Getränken und bescherten uns einen wohlverdienten Feierabend – einfach wunderbar.

Eigentlich blieb kaum Zeit für andere Aktivitäten, wie zum Beispiel Essen zu kochen. Daher waren wir sehr dankbar, dass Thomas, Anja, Nina, Kerstin und Joachim, sowie viele Freiwillige, oft das Team Fuchur, diese Aufgabe übernahmen. Vielen Dank an ALLE!

5. GEFÜHLE

Die Topographie hier erinnerte uns eindeutig an Tibet.

Glücklicherweise waren wir mit den Vorbereitungen zur Auflösung unseres bisherigen Lebens und weiteren Recherchen zu administrativen Angelegenheiten beschäftigt, die eigentlich schon theoretisch geklärt waren, uns aber dennoch einige Stolpersteine bereiteten. Dadurch wurde die Angst vor diesem Vorhaben von dem Wunsch überdeckt, endlich loszulegen und all den großen und kleinen Problemen zu entkommen. Auch Manni und ich brauchten dringend eine kleine Auszeit zwischen den kleinen und größeren Herausforderungen – na ja, Topographie und so weiter!

Schließlich wollen wir ja noch unsere Silberhochzeit feiern – wir zwei!

6. WAS HABEN WIR AN ANDAR GEÄNDERT?

Eigentlich haben wir für uns nichts Besonderes festgestellt, was uns gestört oder gefehlt hätte. Die Beratung der Offroad Leichtbau Manufaktur war zielgenau. Wir haben zusätzlich an ANDAR einen Unterfahrschutz für die Tanks rechts und links anbauen lassen.

Als ich mich auf einer etwas höheren Düne auf den “Bauch” legte und nichts mehr vor und zurück ging, verschoben sich beim Abschleppen die Tankbänder und verbogen sich die Querträger für die Tanks ganz leicht. Das geschah, weil wir natürlich nicht den gesamten Sand unter dem Auto herausgeschaufelt hatten und beim Ziehen folglich den Sand wegdrücken mussten, was die Querträger nicht schadlos überstanden. (Es gibt ein Video dazu.)

Ich finde sogar, dass der Unterfahrschutz auch die Seitenansicht optisch nochmals verbessert. Ansonsten ist alles beim Alten.

UND WEITER GEHT‘S…

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