Wir lieben Alaska !

Wir lieben Alaska – vom Goldrausch am Klondike bis ans Ende der Straße in Homer

Manchmal fragt man sich unterwegs, ob nach all den großen Momenten überhaupt noch etwas kommen kann. Nach dem Dempster Highway, dem Polarkreis und dem Nordpolarmeer hatten wir diese Frage ziemlich deutlich im Kopf. Und dann kam Alaska.

Nachdem wir in Kanada so weit nach Norden gefahren waren, wie man es auf Rädern überhaupt schaffen kann – über den nördlichen Polarkreis hinaus bis nach Tuktoyaktuk ans Nordpolarmeer –, waren wir uns ehrlich gesagt nicht ganz sicher, was danach eigentlich noch kommen sollte.

Kann Alaska das noch toppen? Kann nach dieser endlosen Fahrt durch die Tundra, nach Schotter, Staub, Einsamkeit und dem Blick auf das Nordpolarmeer wirklich noch einmal ein neues Abenteuer beginnen?

Die kurze Antwort lautet: Ja. Aber der Reihe nach.

Dawson City: Goldrausch, Westernkulisse und echtes Klondike-Gefühl

Zunächst lag noch Dawson vor uns. Die legendäre Goldgräber- und Westernstadt am Zusammenfluss von Klondike und Yukon River.

Nach insgesamt mehr als 1.700 Kilometern Schotterpiste auf dem Dempster Highway wollten wir uns und ANDAR erst einmal ein paar Tage Ruhe gönnen. Und vor allem: eine Wäsche. Für ANDAR ebenso wie für unsere mittlerweile beachtlichen Wäscheberge. Ein paar Besorgungen standen ebenfalls auf der Agenda.

Und natürlich Goldwaschen.

Wenn nicht hier, wo denn dann?

Um uns gebührend einzustimmen, schauen wir uns abends noch einmal den Jack-London-Klassiker „Der Ruf der Wildnis“ in der alten Verfilmung aus den 1970er-Jahren an. Die Geschichte spielt während des Goldrauschs am Klondike – und plötzlich sind all diese Namen, die man aus Büchern und Filmen kennt, keine fernen Orte mehr. Der Klondike fließt ein paar Kilometer entfernt, Dawson liegt vor unserer Tür und draußen beginnt genau jene Landschaft, in der vor gut 125 Jahren Zehntausende Menschen vom großen Goldfund träumten.

Und ihre Spuren sind bis heute kaum zu übersehen.

Es ist schon irre zu sehen, wie die Landschaft hier teilweise mehrfach auf links gedreht wurde. Manchmal sind die Folgen nur zu erahnen, manchmal liegen links und rechts der Straße kilometerlang gewaltige Abraumhalden. Berge aus Kies und Geröll als Zeugnisse einer ziemlich verrückten Zeit.

Und die ist keineswegs vorbei.

Noch immer wird am Klondike aktiv nach Gold gesucht. Natürlich nicht mehr so wie ganz am Anfang des Goldrauschs, als Gold teilweise tatsächlich als Nugget aus den Bächen geholt werden konnte. Später kamen die gigantischen Dredges, schwimmende Goldbagger, die sich regelrecht durch ganze Täler fraßen.

Heute sind die großen Nuggets weitgehend verschwunden. Aber bei hohen Goldpreisen kann es sich durchaus lohnen, bereits mehrfach bearbeitetes Material noch einmal durchzugehen. Und manchmal offenbar auch ein drittes oder viertes Mal.

Die Goldgräber-Community rund um Dawson ist jedenfalls noch immer erstaunlich aktiv.

Wir bekommen sogar die Gelegenheit, uns einen aktiven Goldabbau genauer anzusehen und selbst unser Glück mit der Goldpfanne zu versuchen. Auch wenn wir ein klein wenig den Verdacht haben, dass unser Gastgeber bei unserem Kies vielleicht etwas nachgeholfen hat: Das Gefühl, nach langem Schwenken und Waschen im kalten Bachlauf tatsächlich ein paar winzige Goldflöckchen am Boden der Pfanne liegen zu sehen, ist großartig.

Reich werden wir damit nicht.

Aber wir haben Gold gefunden!

Fast noch spannender finden wir die Erläuterungen zu den Regeln im heutigen Goldabbau. Und dabei entdecken wir durchaus Parallelen zum deutschen Bergrecht. Zunächst geht es um das Recht zur Exploration, also zur Erkundung (bei uns wäre das eine „Aufsuchungserlaubnis“). Wer einen Claim halten will, muss Aktivitäten nachweisen, genau wie bei uns. Wird tatsächlich eine wirtschaftlich interessante Lagerstätte gefunden, gelten für den Abbau weitere Vorgaben. Eine weitergehende Lizenz für den Abbau ist erforderlich – auch das ist bei uns genauso. Es müssen genaue Pläne vorgelegt werden, und auch die spätere Renaturierung spielt eine Rolle.

Was allerdings nicht bedeutet, dass man hier mit Samthandschuhen arbeitet.

Bäche werden umgeleitet, gewaltige Mengen Erdreich bewegt und ganze Flächen abgetragen. Wobei die Frage, wo genau ein Bach hier eigentlich „natürlich“ verlaufen würde, nach mehr als einem Jahrhundert Goldabbau bisweilen ohnehin kaum noch zu beantworten ist.

Entscheidend ist eine Kiesschicht unmittelbar oberhalb des Grundgesteins. Dort sammeln sich die schwereren Goldpartikel. Also muss zunächst alles darüber weg. Erde, Sand, Geröll und Kies werden mit Baggern und Radladern bewegt, das interessante Material anschließend durch Trommelsiebe und Waschanlagen geschickt.

Unglaubliche Mengen an Material werden bewegt, um am Ende einige wenige Unzen Gold zu gewinnen.

Unglaublich.

Top of the World Highway: Auf dem Dach der Welt nach Alaska

Nach ein paar Tagen auf unserem RV-Stellplatz mitten in Dawson geht es dann weiter.

Und vor uns liegt eine dieser Straßen, deren Name schon reicht, um Fernweh auszulösen:

Top of the World Highway.

Von Dawson geht es über die Berge Richtung Alaska. Rund 300 Kilometer sind es bis Tok, große Teile davon auf Schotter oder sehr einfacher Straße. Das Besondere ist weniger die Höhe als die Streckenführung. Statt unten in den Tälern verläuft die Straße über weite Strecken oben auf den Höhenzügen.

Man fährt tatsächlich ein bisschen „on top of the world“.

Schon der Start ist ungewöhnlich. Eine Brücke über den Yukon gibt es in Dawson nicht. Stattdessen bringt uns eine kleine kostenlose Fähre samt ANDAR über den mächtigen Fluss.

Dann geht es hinauf.

Immer wieder öffnet sich der Blick über eine nahezu endlose Landschaft. Berge, Täler, Tundra. Kaum Häuser, kaum Verkehr. An den höchsten Stellen sind wir auf ungefähr 1.300 Metern unterwegs.

Nach rund 127 Kilometern erreichen wir die Grenze.

Poker Creek–Little Gold Creek Border Crossing.

Der Name ist Programm. Ungefähr auf dem 64. Breitengrad und mitten im Nirgendwo liegt hier der nördlichste Straßen-Grenzübergang der USA. Er ist winzig und überhaupt kein Vergleich mit den Bildern der riesigen Grenzübergänge zwischen den USA und Mexiko. Einfach ein kleines Häuschen mit einem einfachen Schlagbaum davor. Das ist alles.

Mit dem erreichen der Grenze steht auch unser erster Grenzübertritt mit ANDAR in die Vereinigten Staaten an.

Ein bisschen gespannt sind wir schon.

Völlig unnötig, wie sich herausstellt.

Dank unserer Visa ist die Einreise ausgesprochen unkompliziert. Die entscheidenden Fragen lauten, ob wir Waffen oder Brennholz dabeihaben. Beides können wir guten Gewissens verneinen. Dann werden wir freundlich gebeten, kurz hereinzukommen. Ein Foto von Kirsten, ein Foto von mir, Pässe zurück, gute Reise.

Das war’s. 6 Monate dürfen wir bleiben.

Und zack:

USA. Alaska.

Irgendwie fühlt sich das nach einem ziemlich großen Moment an.

Chicken, Tok und diese besonderen Begegnungen unterwegs

Der erste Ort hinter der Grenze trägt einen Namen, den man nicht so schnell vergisst: Chicken.

Der Legende nach wollten die Bewohner ihren Ort ursprünglich nach dem hier häufig vorkommenden Schneehuhn, dem Ptarmigan, benennen. Nur war man sich angeblich nicht sicher, wie man „Ptarmigan“ richtig schreibt.

Also nahm man Chicken.

Problem gelöst. Ich mag diese sehr pragmatische Herangehensweise.

Bei unserem Besuch zeigt sich Chicken allerdings grau, nass und wenig einladend. Also fahren wir weiter und finden für die Nacht einen ruhigen Platz an einem kleinen Fluss, nicht weit von der kaum befahrenen Straße.

In Tok wartet dafür etwas ganz anderes auf uns: ein fröhliches Wiedersehen mit Maike und Thomas, auf das wir uns schon lange gefreut haben.

Die beiden sind bereits auf dem Rückweg aus Alaska und müssen auf ihrer Route ebenfalls durch Tok. Perfekt.

Wir verbringen einen großartigen gemeinsamen Nachmittag und Abend, reden natürlich viel über unsere Reisen, tauschen Erfahrungen aus und sitzen am nächsten Morgen noch bei einem leckeren Frühstück zusammen.

Dann trennen sich unsere Wege wieder.

So ist das unterwegs. Man trifft Menschen, fährt ein Stück gedanklich oder tatsächlich gemeinsam – und irgendwann biegt einer links und der andere rechts ab.

Es war toll und hat uns unglaublich viel Spaß gemacht. Und schon jetzt sind wir sicher: wir werden uns erneut treffen. Ganz sicher.

Erster Schnee, große Weite und ein Vorgeschmack auf Alaska

Wir sind gespannt, was Alaska für uns bereithält.

Und gleich am Morgen nach unserer Abfahrt aus Tok bekommen wir eine erste Antwort.

In der Nacht hat es in den Bergen geschneit. Die Wolkendecke reißt etwas auf und über den dunklen Berghängen liegen plötzlich frische weiße Spitzen.

Der erste Schnee.

Es ist noch etwas diesig, die Berge liegen weit entfernt, aber zum ersten Mal bekommen wir eine Ahnung davon, was uns hier landschaftlich erwarten könnte.

Und diese Ahnung macht Lust auf mehr.

Auf dem Weg Richtung Fairbanks öffnen sich immer wieder Blicke auf die entfernten Bergketten. Alles wirkt größer, weiter und irgendwie wilder.

Fairbanks selbst ist dann – nun ja – eher praktisch als schön.

Vielleicht hat die Stadt eine gewisse spröde Schönheit. Auf jeden Fall einen eigenen Charme. Aber sie ist für uns eher Versorgungsstation als Sehnsuchtsort.

Dafür finden wir einen kostenlosen Stellplatz in einem Erholungsgebiet an einem kleinen See mit Sandstrand. Zum Baden ist es uns inzwischen ein bisschen zu frisch.

Also widmen wir uns einer anderen wichtigen Aufgabe.

ANDAR bekommt seinen USA-Aufkleber ans Heck.

Direkt neben die Flaggen der Länder, durch die er uns bereits getragen hat.

Was muss, das muss.

Denali: Zwischen Sehnsucht, Regen und Respekt vor der Wildnis

Lange hält es uns nicht in Fairbanks.

Der Himmel scheint überraschend etwas aufzuklaren, und damit keimt Hoffnung auf: Vielleicht bekommen wir ihn zu sehen.

Denali.

Mit 6.190 Metern der höchste Berg Nordamerikas. Ein Berg, der so gewaltig ist, dass er die umliegende Landschaft um mehrere Kilometer überragt – und trotzdem berüchtigt dafür ist, sich tagelang hinter Wolken zu verstecken.

Also fahren wir los.

Der Denali National Park war eigentlich als eines der großen Highlights unserer Alaska-Reise eingeplant. Ein paar Tage bleiben, wandern, Landschaft genießen, Tiere beobachten.

Soweit der Plan.

Doch dann gibt es da zwei kleine Probleme.

Das erste fällt vom Himmel.

Regen.

Viel Regen.

Das zweite könnte einem theoretisch irgendwo im Gebüsch begegnen.

Bären.

Große Bären. Wilde Bären. Grizzlys. Viele davon.

Wir wissen natürlich, wie man sich verhalten soll. Wir haben uns damit beschäftigt. Und selbstverständlich trägt jeder von uns sein eigenes Bärenspray immer griffbereit mit sich.

Aber Wissen und Gefühl sind bekanntlich zwei unterschiedliche Dinge.

Bei der Vorstellung, zu zweit irgendwo durch die Wildnis zu wandern und plötzlich einem ausgewachsenen Grizzly gegenüberzustehen, entsteht bei uns ein gewisses flaues Gefühl im Magen.

Vielleicht bräuchten wir für die ersten längeren Touren tatsächlich einen Ranger oder Guide, damit aus Respekt nicht ständig Nervosität oder Angst wird. Das würde uns die Freude und den Spaß nehmen. Und das kann es nicht Wert sein.

Das Wetter nimmt uns die Entscheidung schließlich ab.

Es regnet in Strömen.

Also weiter.

Anchorage und die Sehnsucht nach Meer

Nächstes Ziel: Anchorage.

Die mit Abstand größte Stadt Alaskas.

Und auch hier will bei uns der Funke nicht so richtig überspringen. Anchorage ist praktisch, man bekommt fast alles, was man braucht, und nach vielen Wochen unterwegs ist das durchaus etwas wert.

Aber bleiben?

Nein.

Uns zieht es wieder raus.

Richtung Süden.

Auf die Kenai Halbinsel. Abgelegen, wild, schroff, schön!

Schon die Fahrt entlang des Turnagain Arm verändert die Stimmung. Wasser, Berge, steile Hänge, Gletscher in der Ferne. Die Landschaft wird dramatischer und gleichzeitig maritimer.

 

Und ganz am Ende unserer Route wartet Homer.

Wir wissen zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass wir uns spontan ein bisschen verlieben werden.

Homer: Liebe auf den ersten Blick am Ende der Straße

Schon bei der Ankunft zieht uns Homer in seinen Bann.

 

Charmant. Aufgeräumt. Ein bisschen niedlich. Und gleichzeitig überhaupt nicht künstlich.

Nach Fairbanks und Anchorage fühlt sich dieser kleine Ort am Meer sofort anders an.

Vielleicht auch, weil Homer gar nicht erst versucht, etwas zu sein, was es nicht ist.

Hier leben Fischer und Künstler, Seeleute und Aussteiger, Homesteader und Hippies, Touristen und Menschen, die irgendwann hierhergekommen sind und offenbar beschlossen haben, einfach nicht mehr wegzufahren.

Wir können das langsam verstehen.

Unser Zuhause für die ersten Tage könnte kaum besser gewählt sein: Wir stehen mit ANDAR direkt an einer kleinen lokalen Craftbeer-Brauerei.

Harvest Hosts sei Dank.

Natürlich müssen wir überprüfen, ob das Bier etwas taugt.

Reine Höflichkeit. Natürlich…

Wir arbeiten uns also durch eine kleine Verkostung und bleiben schließlich beim SWELL Lager hängen. Unser klarer Favorit. Übrigens, mit Hopfen aus Deutschland gebraut, wie man uns stolz berichtet.

Und Burger gibt es auch. Eiscreme ebenfalls.

Was will man mehr?

Nun ja.

Homer hat noch viel mehr.

Sehr viel mehr.

Homer Spit: Wo die Straße endet und der Horizont beginnt

Nach Tausenden Kilometern durch Kanada und Alaska kommen wir hier an einen Ort, an dem die Straße tatsächlich irgendwann endet.

Rund 227 Meilen südlich von Anchorage ist Schluss mit dem ohnehin eher übersichtlichen Straßennetz Alaskas.

Aber ausgerechnet dort, wo die Straße endet, wird der Horizont plötzlich riesig.

Vor uns liegt die Kachemak Bay. Dahinter steigen die Kenai Mountains auf. Zwischen den Bergen liegen Gletscher. Und jenseits des Cook Inlet befinden sich mit Augustine, Iliamna und Redoubt sogar aktive Vulkane.

Man kann lange einfach nur dastehen und schauen.

Markantestes Wahrzeichen Homers ist der Homer Spit.

Eine schmale Landzunge, die mehr als sieben Kilometer weit in die Kachemak Bay hineinragt. Ganz vorne liegen Hafen und Marina, Charterboote und Fischerboote. Dazwischen kleine Läden, Restaurants, Bars, Fischverarbeitung, Stellplätze und Menschen mit Angelruten.

Ein Ort mit Geschichte: Benannt nach einem Hochstapler

Auch die Geschichte Homers passt irgendwie zu diesem etwas eigenwilligen Ort.

Seinen Namen verdankt er ausgerechnet einem Mann, der es mit der Wahrheit offenbar nicht besonders genau nahm: Homer Pennock.

Homer Pennock kam Ende des 19. Jahrhunderts in die Gegend und warb für Goldvorkommen. Er lockte Investoren und Goldsucher hierher.

Das Problem:

Mit dem großen Goldreichtum war es nicht weit her.

Pennock verschwand wieder. Sein Name blieb.

Statt Gold spielte zunächst Kohle eine größere Rolle. Später kamen Fischerei, Landwirtschaft und Homesteading hinzu.

Und irgendwann entwickelte sich hier etwas, das man an diesem abgelegenen Ende Alaskas vielleicht nicht unbedingt erwarten würde.

Kunst.

Kunst, Fischer und Freigeister: Das „Cosmic Hamlet by the Sea“

Homer hat nur ungefähr 6.000 Einwohner und trotzdem eine erstaunlich lebendige Kunst- und Kulturszene.

Malerei, Fotografie, Skulptur, Musik, Literatur, Theater – überall findet man kleine Galerien und Ateliers.

Dazu passt einer der schönsten Spitznamen des Ortes:

„Cosmic Hamlet by the Sea.“

Das kosmische Dörfchen am Meer.

Ein bisschen schräg. Ein bisschen selbstironisch.

Und irgendwie ziemlich passend.

Homer wirkt unangepasst und kreativ, ohne dabei aufgesetzt zu sein.

Hier sitzt der Fischer neben dem Künstler. Der alte Alaska-Aussteiger neben dem Touristen. Seeleute neben Homesteadern. Menschen, die seit Generationen hier leben, neben solchen, die irgendwann auf einer Reise vorbeikamen und geblieben sind.

Und irgendwo dazwischen stehen jetzt auch wir. Mit ANDAR. Aus Deutschland.

Wir fühlen uns erstaunlich wohl dabei.

Drei Weißkopfseeadler im Baum – Alaska ganz nebenbei

Bei unserem ersten längeren Spaziergang durch Homer passiert dann etwas, das wohl fast schon typisch für Alaska ist.

Man läuft einfach irgendwo entlang – und plötzlich sitzt da ein Weißkopfseeadler.

Nicht irgendwo weit entfernt.

Sondern auf einem Baum direkt neben der Straße.

Und dann entdecken wir noch einen.

Und noch einen.

Zwei ausgewachsene Weißkopfseeadler und ein Jungtier sitzen auf zwei Bäumen und beobachten völlig gelassen ihre Umgebung.

Autos fahren vorbei. Menschen laufen unten entlang.

Den Adlern ist das herzlich egal.

Sie sitzen einfach da.

Wir bleiben natürlich stehen.

Lange.

Noch immer ist es für uns etwas Besonderes, diese mächtigen Vögel in freier Wildbahn zu sehen. Der weiße Kopf, der gelbe Schnabel, die enorme Größe – ein Tier, das man sein Leben lang aus Dokumentationen und als amerikanisches Wappentier kennt.

Und hier sitzt es einfach am Straßenrand.

Gleich drei Mal.

Gegenüber öffnet sich der Blick über die Kachemak Bay auf Berge und Gletscher.

Und in diesem Moment verstehen wir vielleicht ein bisschen besser, warum so viele Menschen in Homer irgendwann beschlossen haben, nicht mehr weiterzufahren.

Warum Homer bleibt: Unser Fazit nach den ersten Tagen in Alaska

Homer ist schwer zu erklären.

Es gibt spektakulärere Orte.

Höhere Berge.

Größere Gletscher.

Wildere Straßen.

Aber vielleicht geht es gar nicht darum.

Homer fühlt sich gut an.

Nach Tausenden Kilometern unterwegs, nach endlosen Wäldern, Schotterpisten, Tundra, Nordpolarmeer, Goldgräberstädten und großen Namen wie Yukon, Klondike und Denali ist hier plötzlich ein Ort, an dem wir nicht sofort überlegen, wohin wir als Nächstes fahren.

Sondern eher:

Was könnten wir morgen hier noch machen?

Vielleicht ist das der Unterschied.

Homer fühlt sich für uns weniger nach einem Reiseziel an als nach einem Ort zum Bleiben.

Und während wir mit einem SWELL Lager vor ANDAR sitzen, irgendwo über uns vielleicht wieder ein Weißkopfseeadler kreist und auf der anderen Seite der Bucht die Gletscher zwischen den Bergen liegen, stellen wir fest:

Wir sind noch gar nicht lange hier.

Aber wir mögen diesen Ort.

Sehr sogar.

Und wir freuen uns auf die nächsten Tage hier in Homer.

Denn eines können wir schon jetzt ziemlich sicher sagen:

Wir lieben Alaska.

Und vielleicht ist genau das das Schönste am Reisen: Manchmal fährt man los, um große Landschaften, berühmte Straßen oder legendäre Orte zu sehen. Und dann ist es am Ende ein Gefühl, das bleibt. Ein Ort. Ein Abend vor dem eigenen Fahrzeug. Ein Bier in der Hand. Adler über den Bäumen. Gletscher am Horizont. Und dieser leise Gedanke: Hier werden wir wohl einfach noch ein paar Tage länger bleiben.

 

Und dann ist da ja noch der legendäre Salty Dawg Saloon. Wirklich eine Institution. Aber davon erzählen wir beim nächsten Mal. Also, schaut mal wieder vorbei.

2 Kommentare

  1. Respekt, meine lieben Weltenbummler,
    nachdem ich nun euren Blog hier entdeckt habe, muss ich sagen, dass ich wirklich beeindruckt bin. Nicht nur davon, dass ihr euch sehr viel Mühe mit der Orthografie gemacht habt (da bin ich ja echt pingelig ;-)))) – nein: vor allem nehmt ihr einen so richtig schön mit! Die Erzähl-Art finde ich mega klasse! Ich habe selten so lebendige, aus dem Moment gegriffene Erlebnisbeschreibungen gelesen. Und das schöne ist, dass man beim Lesen fast das Gefühl hat, dabei zu sein. Echt toll – weiter so!

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